Djákninn á Myrká

Am Anfang stand die Faszination für das Büro. Südseitig ausgerichtet ist es, mit Blick über die Zürcher Altstadt bis zum fernen Üetliberg. Die Wände sind gesäumt mit deckenhohen Regalen voll nordischer Literatur. In der Mitte befindet sich ein einfacher Tisch. Darauf ausgebreitet sind Manifestationen der regen Tätigkeit von Prof. Dr. Jürg Glauser an der Abteilung für Zombie Studien am Deutschen Seminar.

Für die Realisation des isländischen Volksmärchens „Der Küster aus Myrká“ zum Anlass des hausinternen Weihnachtsapéros bot sich alsdann die Möglichkeit, dieses Büro als Kulisse zu setzen. Im Kontext der Szenographie wurden drei Bereiche des Raumes ausgewählt. Als verbindendes Element dienten die Fülle an Büchern und Unterlagen. Die erarbeiteten Szenen wies ich jeweils spezifischen Abschnitten der gruseligen Geschichte zu.

Im Rahmen von Szene 1 blickt die Kamera Richtung Fenster. Herr Glauser sitzt mit dem Rücken zur Kamera und betrachtet auf seinem Computer Ausschnitte einer modernen Adaption der 1862 erstmals erschienenen Geschichte. Gemeinsam mit dem schwindenden Umgebungslicht der Dämmerung akzentuiert der Schein des Monitors seine Silhouette. Für einen kurzen Moment meint man den untoten Küster auf dem Pferd zu erkennen. Diese Aufnahmen verkörpern die Liebe, den Tod und die Wiederkehr des Küsters.

Die grosse Bücherwand steht für die Szene 2. Herr Glauser befindet sich davor und schaut direkt in die Kamera. Er liest das Märchen Djákninn á Myrká auf Isländisch. Für ausgewählte Schlüsselhandlungen in der Ereigniskette wählte ich die Close-Up Einstellung. Hier sollte die Leidenschaft des Erzählers besonders zur Geltung kommen. Ich versuchte die Atmosphäre einer Bibliothek mit dem kühlen Spot-Licht von Oben herab nachzustellen. Ein untereseitiger Reflektor warf warmes Licht in die Augen und entschärfte die Schlagschatten.

Die dritte und letzte Szene 3 fusst auf dem Tisch. Er präsentiert Augenblicke aus der physischen Welt der Geschichte. Echte Fotos aus der Handlungsregion im Norden von Island vermischen sich dabei mit historischem Material und anderen, nicht-relevanten Forschungsunterlagen von Herrn Glauser. Der aufmerksame Betrachter erkennt das tiefe Blau des Fussbodens unter dem Tisch. So stelle ich mir die Farbe des todbringenden Flusses in der tragischen Liebesgeschichte vor.

Mein grosser Dank gebührt an dieser Stelle Prof. Dr. Jürg Glauser für seine Offenheit gegenüber diesem Projekt sowie lic. phil. Ragnheiður M. Hafstað und lic. phil. Sandra Schneeberger für ihre unermüdliche Assistenz während den verschiedenen Produktionsphasen.